Die lange Suche nach der richtigen Sternwarte

(Dieser Text wurde von der alten Website übernommen und muss noch überarbeitet werden)

Sternenwarte und Fellina

Mein großer Traum war schon immer eine eigene Sternwarte.

Warum eigentlich?

Nun, das hat für mich viele Gründe, unter anderem lag es an der mitteleuropäischen Wettersituation. Als Hobbyastronom wurde mir erst bewusst, wie wenige Tage im Jahr gutes Astronomiewetter herrscht. An diesen wenigen Tagen ist es mir aber aus verschiedensten Gründen nicht immer möglich, meinem Hobby zu frönen: Da ich zur arbeitenden „Klasse“ gehöre, die um 5 Uhr in der Frühe mit dem Tagwerk beginnen, kann ich mir nicht (immer) die ganze Nacht um die Ohren hauen. Manchmal gibt es auch gesellschaftliche und andere Verpflichtungen oder ich habe schlicht und ergreifend einfach keinen "Bock", hinaus in die Kälte zu gehen.

Wenn ich mich schließlich einmal durchgerungen hatte, die Nacht mit Astronomie zu verbringen, kam die nächste Hürde: Der Aufbau des Equipments. Dazu musste ich immer die schwere EQ-6 Montierung samt dem Stativ aus dem Lagerraum schleppen und korrekt auf den Polarstern ausrichten. Leider habe ich von keinem meiner bevorzugten Beobachtungsplätze freie Sicht auf Polaris, so dass ich die Ausrichtung entweder schätzen musste oder die relativ langwierige Prozedur des Einscheinerns durchführen musste. Das Teleskop, ein 10 Zoll Newton-Reflektor ist von den Abmessungen her schon relativ sperrig und gehört auch nicht gerade zu den Leichtgewichten. Um eine optimale Bildqualität beim Beobachten zu erreichen, prüfte ich vor jedem Aufbau ständig die Justage des Gerätes mit einem Laserkollimator mit einem im Strahlengang aufgeschraubten Barlowelement.

Später dann wurde (meist bei einsetzender Dämmerung) der schon etwas betagte Astro-Notebook gestartet die diversen Filter, Okulare und ein Feldstecher auf einem Tisch so ausgebreitet, dass ich alle Geräte auch im Dunklen rasch finden kann. Literatur und spezielle Aufsuchkarten und Beobachtungstips diverser Zeitschriften wurden vorbereitet und der Batterieladestand der mit roter Folie maskierten Taschenlampe wurde geprüft.

Je nach Beobachtungsvorhaben -falls zum Beispiel auch fotografiert werden sollte- dauerte dieser Aufbau zwischen 45 und 90 Minuten, manchmal sogar noch länger.

Bis kurz vor der astronomischen Dämmerung verbrachte ich die restliche Wartezeit in der warmen Stube, kochte mir einen Tee für die Thermoskanne und begann langsam meine warme Ski Kleidung anzuziehen.  

Erst nach diesen oft recht langwierigen Vorbereitungen begann für mich eigentlich erst richtig das Hobby Astronomie: Nämlich das Aufsuchen, Beobachten, Fotografieren und manchmal auch das Verfassen von Beobachtungsberichten.  

Aufgewühlt und übermüdet aber leider auch recht oft durchgefroren musste ich mich spät in der Nacht oder auch in der Frühe daran machen, alles wieder abzubauen.

Da für mich die wenige Beobachtungszeit die ich über das gesamte Jahr nutzen kann sehr wertvoll ist, begann ich mich für eine stationäre Lösung in Form einer Sternwarte zu interessieren. 

Ich verfolgte seit langer Zeit die verschiedensten Projekte in den deutschen und internationalen Astronomie-Foren mit großem Interesse. Dort gibt es eine Vielzahl von Lösungen und Inspirationen. Viele Sternenfreunde verwirklichten ihre eigenen Ideen, manche Bauten auf fertige Komplettlösungen allen gemein war aber, das die zukünftige Sternwarte den finanziellen, handwerklichen und örtlichen Gegebenheiten des jeweiligen Betreibers unterlag. 

Der WAF spielt bei so einem Projekt natürlich ebenfalls eine bedeutende Rolle. 

Mir diesem Hintergrundwissen erkundete ich verschiedenste Plätze innerhalb meines Grundstücks und versuchte dabei, den größt möglichen Himmelsausschnitt zu erfassen.

Ursprünglich wollte ich eine in Astrokreisen schon sehr bewährte Rolldachhütten-Konstruktion bauen. Dabei hätte ich eine Gartenhütte vom lokalen Baumarkt umgebaut. Diese Lösung hätte den Vorteil gehabt, dass bei geöffnetem Dach der maximale Himmelsausschnitt zur Verfügung gestanden wäre, dafür aber der Ausblick knapp über dem Horizont durch die Seitenwände beschnitten gewesen wäre. 

Einige für mich gravierende Nachteile haben schlussendlich gegen die Hütte gesprochen. Einerseits die Tatsache, dass in Richtung Süden (der bevorzugten Hauptblickrichtung der Amateurastronomen) mein eigenes Haus, noch dazu in etwas erhöhter Lage, im Weg gestanden hätte. Weiters ist die Abwärme des Kamins im Winter, auf Grund der dadurch entstehenden Luftturbulenzen, sehr schlecht für optimale Sichtbedingungen in diese Blickrichtung. Andererseits würde eine doch sehr dominante Gartenhütte den Anblick auf meinem kleinen Grundstück sehr negativ beeinflussen.

Eine andere Lösung mit einer stationären Säule verwarf ich sehr rasch aus Platz- aber auch aus ästhetischen Gründen. Außerdem würde ich mir mit dieser Lösung das ewige Auf- und Abbauen meiner Geräte nicht ersparen können. 

3D Bild vom Gelände

In diesem Sommer wurde eine Wärmedämmung an den Außenmauern durchgeführt. Damit ein Vollwärmeschutz richtig funktionieren kann, muss das Dach ebenfalls gedämmt werden, daher inspizierte ich aus diesem Grunde dieses etwas genauer.
Als ich an einem lauen Sommerabend die letzte Dachwellplatte befestigte, wandte sich mein Blick gegen den Himmel und ich hatte meinen optimalen Sternwartenplatz gefunden!
Eine großartige Aussicht durch den erhöhten Standpunkt, der wärmende Kamin hinter mir und einen fast freien Blick zum Südhorizont.


3D Bild von der Sternenwarte


Das Dach muss ab! 

Die Änderungen am Dach wollte ich unbedingt von Professionisten durchführen lassen. Ich wollte auf alle Fälle, dass die Konstruktion statisch korrekt ausgeführt wird und dass der Aufbau wasserdicht ist.

Ich traf auf einen sehr verständnisvollen Zimmermannmeister, der sich sehr für meine Konstruktionsidee interessierte. Ich plante ein Sternwartengebäude mit einer eigenen Klimazone (komplette Rundumdämmung) und einem entkoppelten Boden, den ich später in Eigenleistung einbaute.

Die Seitenwände und die Deckelkonstruktion sind mit dem übrigen Dach und mit der Dachbodendecke mechanisch verbunden. Die Montierung des Teleskops wird ebenfalls direkt auf den Betonboden gedübelt. Der Holzboden des Sternwartengebäudes ist 15 cm vom Betonboden entfernt und ausschließlich an den Seitenwänden (dem Kniestock) fixiert. Die Schwingungen die durch das Gehen hervorgerufen werden, sollten nun über die Seitenwände abgeleitet werden, so dass die Montierung vom Boden entkoppelt und somit vibrationsfrei bleibt.

Handskizze Sternenwarte

Nach einigen Planungsstunden und Verhandlungen mit der Zimmerei und der Spenglerei konnte es endlich losgehen.  
Der komplette Dachboden wurde mit 20 cm dicker Mineralwolle wärmegedämmt, das Sternwartengebäude bekam zusätzlich eine separate Rundumdämmung, damit keinerlei warme Luft von den darunter liegenden Räumen eindringen kann.

Der Deckel wird in Zukunft ebenfalls Isoliert, da ich vermute, dass sich der Innenraum auf Grund der Sonneneinstrahlung zu stark erhitzen könnte. Ich möchte die Temperatur im Innenraum auf unter 50° C drosseln, da eine zu hohe Raumwärme sich schlecht auf die zum Teil verkittetet Optiken und auf die Elektronik auswirken könnte.    

Handskizze Sternenwartendach

Freitag frühmorgens kam der Zimmermann und nach dem Abladen des Baumaterials ging es dem Dach an den Kragen.
Zuerst wurde das Dach abgedeckt.

Die sehr bruchempfindlichen Eternitplatten wurden behutsam behandelt und auf der gegenüber liegenden Dachseite gestapelt. Diese Platten sind sehr spröde, wir benötigten einen Teil davon aber noch für die Eindeckung der neuen Gaupe.
Nun musste noch ein Dachsparren entfernt werden, da mein Raum ca. 2 Meter breit werden sollte, der Sparrenabstand aber nur ca. 90 cm beträgt. Dabei kam das sogenannte "Fichtenmopperl" (Fichtenmoped = Motorsäge) zum Einsatz. 

Entfernung des Daches 1
Entfernung des Daches 2

Nun ging es weiter mit der Rohkonstruktion. Der gekürzte Sparren musste zusätzlich abgestützt werden, die stehenden Hölzer für die Seitenwände wurden zugeschnitten und am Dachboden fixiert.  

Durch die Hilfe von modernen Hilfsmitteln, wie z.B. Spax-Schrauben mit 20 cm Länge, einer Nagelmaschine, der großen Kappsäge und diversen Akkuschraubern wuchs die Konstruktion in einer atemberaubenden Geschwindigkeit immer mehr zu einer Sternenwarte heran

Entfernung des Daches 3

Der stolze Besitzer bei einer kleine Pause. Zu diesem Zeitpunkt waren ca. 6 Stunden vergangen und der Zimmermann nach einer zünftigen Jause bereits auf dem Heimweg. 



Für diesen Tag mussten mein Vater und ich nur mehr die Dachgaupe wind- und wasserdicht verpacken. Das Wetter war laut Vorhersage für das Wochenende relativ stabil und trocken angekündigt, aber ich wollte für alle Fälle (vor allem Regenfälle) ein dichtes Dach. 

Sternenwarten-Rohbau



Fortsetzung folgt...

Sternenwarte Finale

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